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Brigit

Brigit (Lexikon der Mythologie)
(Erhabene, Strahlende, Mächtige): kelt. Muttergöttin (der Iren) sowie Schutzgöttin der Kunstschmiede, Dichter und Ärzte. Sie gehört zu den Tuatha Dê Danann und ist Tochter des Dagda, Halbschwester des Oengus und Gattin des Bress. Ihr zu Ehren wurde das Fest IMBOLC gefeiert. Später ist sie in der christl. Heiligen Brigitta von Kildare aufgegangen.

Brigit (Lexikon der keltischen Mythologie)
Das irische Gegenstück zur Brigantia ist Brigit. Es ist nicht ausgeschlossen, daß jene Brigantes, die sich im Südwesten Irlands und auf der Ebene von Meath niederließen, die große Göttin unter diesem Namen nach Irland brachten, wo sie natürlich neben allerlei anderen bereits verehrt wurde.
Der Name geht auf einen indoeuropäischen Stamm zurück und bedeutet Hoheit, Erhabenheit. Eine Reihe von Orts- und Flußnamen wurden aus ihm gebildet: Braganca in Portugal, Bregenz, die ehemalige Hauptstadt der Brigantes am Bodensee, Brig im Wallis, die Ebene von Brega in Irland sowie Braint, Barrow und Brent in Britannien und Irland. Interessanterweise entwässert ein "Brent", unweit von Glastonbury, das ehemalige Sumpfgebiet um die Insel Avalon.
In Irland nahm Brigit einen solchen Rang ein, daß ihr Name gleichbedeutend mit "Göttin" wurde. Das Lebor Gabála Érenn stellt sie als Tochter des Dagda und Besitzerin der beiden magischen Ochsen Fea und Femen vor. Cormacs Glossar (frühes 10.Jh.) bezeichnet sie als Dichterin und Prophetin, Schutzherrin der fili [Anmerkung: Das ist eine Gelehrtenklasse der Druiden. Brigit war die Schirmherrin der fili auf Grund ihrer eigenen Vollkommenheit in filidecht, d.h. auf dem Gebiet der Dichtung, Erkenntnis und des traditionellen Lernens sowie der Kunst des zukünftigen Wissens, der Prophetie. Ursprünglich gehörte auch die Rechtsprechung dazu.], während ihre beiden gleichnamigen Schwestern Ärzte und Schmiede bzw. Handwerker in ihre Obhut nahmen. Brigit kann also als dreifache Göttin in drei Verkörperungen erscheinen. Neben diesen aristokratisch-kreativen Berufen der Druidenklasse unterstanden ihr die Landwirtschaft mit dem Bauerntum. Brigit sorgte für Vieh und Ernte und hielt in Gestalt der Flüsse das Land fruchtbar. Den Frauen stand sie bei der Geburt bei und hielt ihre schützende Hand über die Kinder. Unzählige ihr geweihte Quellen weisen auf ihre Heilerfunktion. Ihr eigentliches Attribut war jedoch das Feuer - "Brigits feuriger Pfeil" wurde sprichwörtlich.
Ihr göttliches Feuer war letzlich vom selben kosmischen Ursprung wie die Sonne: Brigit besaß eine nicht zu unterschätzende Sonnenkomponente - ihr Sonnensymbol, ein Swastika, übernahm die St. Brigid von Kildare als "St. Brigids-Kreuz".

In Kriegszeiten zählten vor allem die Männer der Provinz Leinster auf ihre Unterstützung. Dort, in Kildare, neben einer heiligen Eiche, stand ihr Heiligtum, das christianisiert werden sollte. Das Buch von Leinster machte Brigit zur Mutter des Bres anstelle der Ériu. An sich ändert dieser Namenswechsel nichts an der ihrer Funktion - denn Banba, Fódla, Ériu sind ebenfalls Manifestationen der dreifachen Muttergöttin.
Nach der gebräuchlicheren Überlieferung war sie die Gattin des Bres und schenkte ihm den Sohn Ruadán, den sie tragischerweise wieder verlor, so daß zum erstenmal "Schreien und Weinen", d.h. die rituelle Totenklage in Irland ertönte, womit Brigit auch den Tod in ihren Wirkungsbereich mit einbezog. Brigit wird von Keltologen gern als keltische "Minerva" apostrophiert - zu Recht, da viele ihrer Funktionen mit denen der klassischen Göttin zusammenfallen; sie ist jedoch nicht die einzige, die sich unter deren Deckmantel begibt! Gegen die große Muttergöttin Brigit kam die frühkeltische Kirche nicht auf, so daß ihr nichts anderes übrigblieb, als sie zu christianisieren.

BRIGIT, BRIDGET (Lexikon der Göttinnen)
Das wohl deutlichste Beispiel für den Fortbestand einer früheren Göttin bis in christliche Zeiten ist Brigit, die große dreifaltige Göttin der keltischen Iren, die in England als Brigantia auftauchte, als Bride in Schottland und Brigandu im keltischen Frankreich. Die Verehrung dieser Göttin, einer Tochter des irischen Hauptgottes Dagda, war bei den Iren so tief verwurzelt, daß die Christen sie zusammen mit dem Volk "bekehrten". Sie nannten sie nun Bridget, erhoben sie zur Schutzpatronin der grünen Insel, verkörpert in der braven Tochter eines Druiden, von der es hieß, sie sei vom Patriarchen St. Patrick höchstpersönlich getauft worden. Diese Bridget legte das Ordensgelübde ab, gründete selbst mehrere Klöster und wurde nach ihrem Tod (523, im Alter von 70 Jahren) unter die Heiligen eingereiht, und zwar aufgrund bemerkenswerter Eigenschaften, die kaum rein zufällig mit jenen der frühen Göttin übereinstimmten.
Die christliche Bridget soll zum Beispiel die Befugnis besessen haben, die Bischöfe Irlands einzusetzen, eine ungewöhnliche Rolle für eine Äbtissin, noch seltsamer durch die von ihr erhobene Forderung, daß die Bischöfe alle ausübende Goldschmiede sein mußten; denn die alte Brigit war in einer ihrer drei Formen die Göttin der Schmiedekunst gewesen. Ebenso oblag ihr die Förderung der Inspiration und der für das irische Brauchtum so wichtigen Dichtkunst, und zu diesem Zweck trug sie stets einen Zauberkessel bei sich. Ihre dritte Funktion war die einer Göttin der Heilkunst. So war es kein Wunder, daß die christliche Bridget auch als Muse und Heilerin angerufen wurde.
Das Symbol der dreifaltigen Brigit war das Feuer; denn ihr Name bedeutet LEUCHTENDER PFEIL oder DIE STRAHLENDE. Fast bis in die Neuzeit blieb der uralte Brigit-Kult an ihrem Heiligtum in Kildare erhalten, wo 19 Jungfrauen das nie verlöschende Feuer bewachten und wo am 20. Tag eines jeden Mondzyklus das Feuer wunderbarerweise von der Göttin selbst versorgt wurde. Noch im 18. Jahrhundert erklang dazu das Lied: "Brigit, du ausgezeichnete Frau, jähe Flamme, möge uns die helle, feurige Sonne zum ewigen Königreich bringen." Dabei war Brigit bereits seit mehr als tausend Jahren keine Göttin mehr, sondern eine Heilige (ihr Festtag ist der 1. Februar), und ihre Gefolgschaft bildeten fromme Nonnen und nicht mehr heidnische Priesterinnen.
Die Iren erzählen, daß Brigit den Menschen eine Reihe sehr nützlicher Fertigkeiten beibrachte, so etwas das Pfeifen, das sie "erfand", als sie eines Nachts ihre Freunde rufen wollte. Und als ihr geliebter Sohn getötet wurde, entwickelte Brigit das Keening, den Klagegesang der Frauen, die einen geliebten Menschen verloren haben. Diese Geschichte rückt sie in die Nähe der großen Muttergöttinnen des östlichen Mittelmeerraums, und so wie diese wurde Brigit mit der Erde selbst identifiziert und mit der Fruchtbarkeit des Bodens. Es sind vorzeiten viele Geschichten von dieser größten irisch-keltischen Göttin erzählt worden, doch nur wenige sind überliefert. Immerhin heißt es, daß ihr Bronzeschuh der heiligste Gegenstand war, den man sich vorstellen konnte, und ihre matriarchalische Position war dermaßen stark, daß es keinem Mann erlaubt war, die Hecke zu passieren, die ihr Heiligtum umgab.

 

 

26.1.07 22:45
 


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